Wirtschaftskrise oder Unternehmensausbeutung
Ein Resümee der letzten 3 Monate im Hinblick auf den Auftragseingang, den geleisteten Arbeiten und den eingegangenen Rechnungen lies mich gestern fast vom Stuhl fallen. Unweigerlich stellte sich mir die Frage: Gibt es in Deutschland überhaupt noch faire Geschäftspartner?
Vertrauen ist gut, Vorkasse ist besser. Und genau diese Weisheit werd ich mir künftig auf’s Unternehmensprofil schreiben. Säumige Kunden gab es wohl schon immer, was sich so mancher aber heutzutage erlaubt, spottet jeder Beschreibung. Da werden Aufträge unter falscher Adresse erteilt, Design’s und Layoutvorschläge werden ohne weiteren Kommentar oder Bezahlung eingesetzt, usw… usw… Mal abgesehen davon, das dies so oder so eine Verletzung des Urheberrechtes darstellt, der ich mit allen rechtlichen Konsequenzen, ohne Vorwarnung nachgehe. Die letzten 3 Monate im Überblick:
Insgesamt gingen im letzten Quartal ca. 30 nennenswerte Aufträge ein, wobei hier auch kleinere Projekte enthalten sind. Grundsätzlich ist das für mich eine durchaus akzeptable Zahl. Wenn man bedenkt, das ich hier keine Lutscher für 50 Cent anbiete. Die folgende Grafik soll verdeutlichen wie sich diese Aufträge entwickelt haben.

Wie ist die Grafik nun zu verstehen?
Bezahlt
8 Aufträge wurden fristgerecht nach Rechnungsstellung gezahlt. Wie es wohl auch sein sollte.
Offen
Auch nach mehrmaligen Versuchen, Kontakt aufzunehmen, um Details abzustimmen, stellt sich der Kunde tot. Hierbei handelt es sich um Aufträge, die zu 80% über das Portal MyHammer erteilt wurden. Wahrscheinlich sind diese Aufträge durch Konkurrenten oder Spassmaten eingestellt worden, um uns unnötig mit Gebühren zu belasten. Recherchen bezüglich der, bei der Auftragserteilung übermittelten Adressen durch My-Hammer, ergaben in 4 Fällen eine nicht existente Anschrift. Beschwerden bei der Online-Börse, und die damit verbundene Rückforderung von Gebühren, die bei einem höheren Auftragsvolumen durchaus dreistellig ausfallen können, führten ins Nirvana. My-Hammer ist offensichtlich nicht dazu verpflichtet, Kontaktdaten der Auftraggeber zu überprüfen. Was allerdings nicht für die Auftragnehmer zutrifft. Hier muss zumindest ein gültiger Gewerbeschein vorgelegt werden. Somit kann sich dort eigentlich jeder Minderjährige der ein Prepaid-Handy besitzt, anmelden und sein Unwesen treiben.
Ohne Reaktion
Hier handelt es sich um Aufträge, bei denen 50% Vorkasse nach Freigabe des Layouts, vereinbart war. In diesen Fällen kam auch nach mehrwöchigen Nachfragen keine Rückinfo durch den Kunden. Zu 80% handelt es sich hier um Layouts für Webseiten. In der Vergangenheit habe ich oft festgestellt, das diverse schwarze Schafe, mit der Begründung des Nichtgefallens, vom Auftrag zurücktreten (Wenn denn überhaupt eine Reaktion kam). Das kuriose bei der Sache ist allerdings, das gerade die nichtgefallenen Layouts oft 1 zu 1 nach ein paar Wochen bei besagter Domain umgesetzt wurden. Nun, da wurde anscheinend auf einen Hobbybastler zurückgegriffen, der sich mal eben schnell an meinen Previewseiten bedient hat. Auch in solch einem Fall kommt immer noch das Urheberrecht zum tragen, auch wenn das ein oder andere bereitgestellte Firmenlogo oder Bild eingebaut ist. Hier gilt ebenfalls: Ohne weitere Vorwarnung > Rechtsmittel werden zum tragen kommen.
Mahnlauf
Der ganz normale Unternehmerwahnsinn. Rechnung gestellt, Zahlung bleibt aus, Zahlungserinnerung und Mahnung. Der nächste Schritt, Einschalten des Anwaltes, Anschreiben mit letztem Zahlungsziel und letztendlich die Erwirkung eines Titels bei Gericht.
Fazit:
Aus meiner Sicht wird es immer unumgänglicher, Aufträge generell mit angemessener Vorkasse abzuwickeln. Da mein Geschäft vorwiegend in der 3D-Visualisierung und dem Webdesign liegt, dürfte es klar sein, das ein Projekt nicht unbedingt in 2-3 Tagen erledigt ist. Bis zum Beispiel das Layout und Erscheinungsbild eines Internetauftrittes den Vorstellungen eines Kunden entspricht, können gut und gerne 1-2 Wochen ins Land gehen. Wenn diese Leistungen dann nicht bezahlt werden, kann es sehr schnell eng im Geldbeutel werden. Büromiete, Gehälter und Nebenkosten zahlen sich leider nicht von selbst. Im übrigen kann ich nur jedem Geschäftsmann empfehlen, gerade bei Kunden, die Ihren Firmensitz nicht in Deutschland haben, ausschliesslich 100% Vorkasse anzustreben. Hier können ausstehende Zahlungen und die damit verbundenen Kosten für das Mahnwesen schnell den eigentlichen Umsatz übersteigen. Was folgender aktueller Fall bestätigt. Auch hier hab ich mein Lehrgeld bezahlt.
Säumiger Kunde mit Firmensitz in Österreich:
Auftragssumme: 950,- Euro
Bisher angefallene Anwalts,- Gerichts und Vollstreckungskosten: 680,- Euro
Das Problem hierbei ist, das man zusätzlich einen Anwalt vor Ort einschalten muss, da ein deutscher Anwalt in Österreich keine Rechtsmittel beantragen kann. Ich dachte immer wir sind eine einheitliche EU? Hätten wir mal lieber die DM behalten. Wenn man jetzt auch noch die Verzinsung hinzurechnet habe ich eigentlich für den Auftrag 950,- Euro bezahlt anstatt sie zu erhalten. Nun, vielleicht sollte ich ein rotes Kreuz ins Logo integrieren und mich mit der Sammelbüchse an den Bahnhof stellen.
Ach ja, vielleicht sollte ich noch den aktuellen Stand erwähnen.
Schreiben der Anwaltskanzlei aus Österreich:
Die Recherchen bezüglich des o.g. Falles wurden eingestellt. Gemäß dem beiliegenden Firmenbuchauszug ist die Gesellschaft infolge rechtskräftiger Abweisung eines Konkursantrages mangels kostendeckendem Vermögens gem. §39 Firmenbuchgesetz aufgelöst und die Firma gem. §40 Firmenbuchgesetz gelöscht. Dies bedeutet, das mehrere Gläubiger einen Konkursantrag gestellt haben, das die Firma, (ich nenn sie hier einmal Schluchtenscheisser GmbH), darauf hin jedoch nicht den erforderlichen Kostenvorschuss an das zuständige Gericht leisten konnte, um ein Konkursverfahren zu eröffnen.


H. Marquard
Wir haben schon längst auf Vorkasse umgestellt. Es geht auch garnicht anders, da wir in der Photovoltaik-Branche tätig sind. Da werden schnell mal 10.000 Euro für Material fällig. Da könnten solche Zahlungsmuffel schnell zum ruin führen.
Bin aber beruhigt das nicht nur wir zunehmend solche Probleme haben.
Rene
Also zum Thema My-Hammer kann ich nichts gutes berichten. Ich hab mich dort vor einem halben Jahr angemeldet und dann ging der Ärger auch schon los. Wollte nur ein Basispaket und abgezogen wurden 79 Euro für die Flat. Auf nachfragen wurde mir gesagt, ich hätte das so bestellt und das würde für ein Jahr laufen. Anscheinend geht das mehreren so. Und die Hotline kostet auch noch 99Cent/min. Da ich im handwerklichen Bereich tätig bin, versprach ich mir allerdings gute Aufträge und nahm es mal so hin.
Mal abgesehen davon, das es dort von Dumpingbietern nur so wimmelt, hab ich trotzdem einige gute Aufträge erhalten. Und mit einem umgerechneten Stundenlohn von 30 Euro kann ich auch zufrieden sein. Leider hab ich auch mit dem ein oder anderen so meine Probleme wenn es um die Zahlung geht. Eigentlich vereinbare ich immer Barzahlung nach Fertigstellung. (Ich bin ja Vor Ort) Da kommen dann aber auch oft Aussagen wie: Ich hab das Geld jetzt nicht da. Oder, mein Mann hat die EC-Karte einstecken. Ich überweis das Geld dann gleich heute Abend. Ein Fehler: Denn bis heute warte ich auf die Kohle. Ich finde auch, das My-Hammer dort noch einiges zu tun hat, was den Auftragnehmerschutz betrifft.
scOOse
Danke für die offene Schreibe. Wäre ich ein Kunde, würd ich mir die Buchung eines Jobs bei euch jetzt nochmal ganz genau überlegen
Spaß beiseite. Seit ein paar Tagen bin ich auch dabei. Einem Bekannten sei Dank, ging hier der Tipp ein, es gäbe auch DTP, Illu, etc. Jobs auf My-Hammer. Ganz entgegen meinem Vorredner wurde ich anstandslos Basismitglied. Allerdings rief mich gestern schon ein Mitarbeiter aus dem MyCallCenter an, um mir eine kostenpflichtige Mitgliedschaft aufzuschwatzen. Aber mal ehrlich: Der Laden lässt sich jeden Fliegenfurz teuer bezahlen. Übermittlung der eigenen Daten an den Kunden bei Anfragen, Senden von PMs, dazu je nach Tarif auch noch die Mitgliedsgebühren im Knebel-Abo und als wäre das noch nicht genug, auch noch eine nette Provision auf jeden erhaltenen Job. Oh nein. Da fehlt noch die tlw. fast unumgängliche Hotline! Für das teuer Geld, sollte man eigentlich einen anständigen Schutz sowohl des Auftraggebers, als auch -nehmers erwarten dürfen!?
Da hier ein paar MyHammer-kundige sind, hab ich als Newby aber noch eine Frage: Wenn ich mir ansehe, mit welchen Preisen da jongliert wird, dass sich sogar Diplom-Grafiker und Werbeagentur-GbRs mit Angeboten unterbieten, die jedem Euro-jobber den Pipi in die Augen treiben würden… Vllt. hab ich in der Schule nicht richtig aufgepasst, als es um Kostendeckung oder wirtschaftliches Arbeiten ging – aber: wie kommt man da zu einem normalen Schnitt? 1 Woche Logoentwicklung = 39 Euro, Webshop mit eigens erstelltem CMS = 160 Euro und *lol* 1000 Getränkekarten für Gastro = 50 Euro … was der Kunde wollte und wofür er bereit war immerhin 200 Euro auf den Tisch zu legen, kostete im Druck alleine schon 230 E…???
Schlampige Arbeit würde eine schlechte Beurteilung und damit weniger Aufträge bedeuten und der Kunde, dem ich schon für 2,30 die Google-Domain organisiert hab, wird den Teufel tun den nächsten Job nicht einfach wieder bei MH einzustellen, wenn ich ihm für die Folgearbeiten den regulären Stundensatz berechnen will? Wie arbeitet ihr da, bzw. was mache ich falsch/hab nicht verstanden?
PS: Kann man bei euch ein Praktikum in Cinema machen?
Frank
Tja, so ist das mit My-Hammer,
für uns ist das Portal lediglich eine Plattform um evtl. Neukunden zu gewinnen. Leben kann man davon, zumindest in der Werbebranche, wohl nicht. Bei einem Handwerker mag dies aber durchaus anders aussehen. Was die Dumpingpreise betrifft: Ich würde mich nicht darauf einlassen. Zumal es doch meist daran scheitert, das Auftraggeber Ihre Beschreibungen nicht ausreichend dokumentieren. Was mitunter auch so gewollt ist, der dicke “Hammer” kommt dann oft im nachhinein. Mein Tip: Immer eine detaillierte Beschreibung anfordern. Jedem halbwegs seriösen Geschäftsmann dürfte klar sein, das man für 150 Euro keinen professionellen Internetauftritt bekommt. Alleine die Gestaltung des Basislayouts nimmt mehrere Tage in Anspruch. Selbst wenn ein AN das für einen Preis von 150 Euro halbwegs professionell umsetzt, arbeitet er entweder nebenbei an solchen Sachen oder nutzt fertige Templates die man entweder kostenlos oder für 20 Euro überall im Netz bekommt. Der Nachteil: Oft sind solche Templates nicht sauber programmiert und weisen massenhaft HTML/CSS-Fehler auf. Was im heutigen Zeitalter von SEO mehr schadet als hilft. In jedem Fall kann ein selbstständiges Unternehmen von solchen Preisen, alles andere als überleben. Sie werden im Laufe der Zeit feststellen, das eine grosse Anzahl von Auktionen nach einer gewissen Zeit wieder auftauchen. Darin findet man dann so Sätze wie “Den Auftrag hatte ich hier schon einmal drin, wurde aber enttäuscht”. Bereit, mehr zu zahlen, sind die meisten dann aber auch nicht. Desweiteren bekomme ich fast jede Woche eine mail oder einen Anruf, bei dem es sich um Leute handelt, die auf solch einen Billiganbieter gesetzt haben. Wenn ich mir dann das Ergebnis anschaue, hilft oft keine Schadensbegrenzung, sondern nur die Tatsache, das der gute Mann sein Geld zum Fenster rausgeschmissen hat. Wie sagt man so schön: Aus Erfahrung wird man klug.
Allerdings muss ich dazu sagen, das wir auch seriöse Kunden über My-Hammer gefunden haben. Mit denen bis heute noch Geschäftsbeziehungen bestehen.
Meine Tipps zum Thema My-Hammer:
- Immer in Vorkasse gehen (zumindest anteilig)
- Auftragsdetails immer im Vorfeld klären
- Evtl. vorhandene Beurteilungen genau studieren
- Finale Layouts und Webseiten dem Kunden erst nach komplettem Zahlungseingang bereitstellen
- Sich auf keine Abbuchungsaufträge einlassen (nach 3 Wochen holen die sich Ihr Geld wieder zurück)
Ein seriöser Auftraggeber wird sich auf diese Vorgehensweise einlassen.
P.S. Cinema 4D Schulungen bieten wir leider nicht an.