Immer lauter werden die Stimmen rund um die Social Netzwerke Google+, Facebook, Twitter und Co. Sogenannte Social-Experten schiessen wie Pilze aus dem Boden und versprechen den Unternehmen explodierende Umsatzsteigerungen und Traffic für die Internetseite eines Unternehmens. Aber stimmt das wirklich? Muss ich mit meinem Unternehmen bei jedem Social Dienst vertreten sein?

Meiner Meinung nach hängt dies stark von der Unternehmensbranche ab. Für eine Metzgerei in einem 1000-Seelen Dorf macht Social-Media wohl keinen grossartigen Sinn. Für Weltunternehmen wie z.b. VW, die bereits mit einigen guten Werbespots bei Youtube für Aufsehen sorgten, aber durchaus. Jetzt mal ehrlich, wer kennt den kleinen DarthVader aus dem Passat-Spot eigentlich nicht? Und wie sieht es mit dem kleinen Metzger aus? Dürfte wohl recht wenige im weltweiten Netz interessieren, ob das Pfund Hack dieses Woche nur 1,99 kostet.

Was verbirgt sich nun hinter den ganzen Netzwerken? Wie funktionieren sie, und bringen sie mir wirklich etwas für mein Unternehmen?

Am Anfang steht Dein Profil

Einen Account (Profil) bei den Social-Diensten ist in der Regel innerhalb von 5 Minuten angelegt. So manche Social Media-Experten nehmen für die Anlage eines Profiles gerne einmal 500 Euro und mehr. (Weil da ja hunderte von Sachen zu beachten sind!?). Völliger Blödsinn. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, und sollte auch ohne, das er ein IT-Experte ist, sein eigenes Profil anlegen können. Denn wer sonst ausser Dir, ist besser in der Lage, Dein Unternehmen oder Dich als Person zu beschreiben.

Wie geht’s nun weiter?

So weit, so gut. Ein Profil ist schonmal da. Und jetzt? Wie komme ich zu meinen Freunden, Fans und Followern? Jetzt artet es in Arbeit aus. Zwar bietet z.b. Facebook die Möglichkeit, über Dein email-Programm alle hinterlegten Adressen anzuschreiben, dies würde ich aber in keinem Fall empfehlen. Nicht jede Adresse die sich z.b. in Outlook angesammelt hat, ist entzückt, eine Einladung über Facebook zu erhalten.

Der Aufbau einer Community im Social Media ist eine Sache für sich. Die Netzwerke funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip. Was Du mitteilen möchtest kann nur von Deinen Freunden, Fans oder Followern gelesen werden. Hast Du also einen Facebook-Account und keine Freunde in der Liste, verschwinden Deine Posts im Nirvana. Der Aufbau einer Community ist daher die Basis aller Social Media Dienste. Je mehr Freunde, Fans und Follower, desto mehr erreichst Du. Leichter gesagt als getan. Wie findet man das Zielpublikum? Bleiben wir einmal bei unserem Beispiel „Metzgerei“. Soll ich in der Suchfunktion nach Schweinebraten suchen, um geeignete Fans zu finden? Das ist wohl eher der falsche Weg. Hierbei stosse ich höchstens auf die Konkurrenz, nicht aber auf einen potenziellen Kunden. Gut, dann schalte ich eben eine Werbeanzeige zum Thema. Ist auch eine Möglichkeit, kann aber schnell sehr kostenintensiv werden. Eine weitere Möglichkeit: Ich bau mir auf meiner Webseite die diversen Social Buttons ein. Hat wohl jeder schonmal gesehen, Gefällt mir (Facebook), +1 (Google+) oder auch Twittern (Twitter). Bringt mir blos nicht viel, wenn ich nur 3 Besucher am Tag auf meiner Webseite habe.

Wie man sieht, ist es garnicht so einfach in der Social Media Welt Fuss zu fassen. Im Prinzip sollte aber jeder in der Lage sein, einen gewissen Stamm-Freundeskreis aufzubauen, und sei es zuerst nur der nähere Bekanntenkreis (vorausgesetzt, dieser besitzt jeweils ein Profil in den Netzwerken). Denn diese Personen haben wiederum Freundeskreise, denen Du empfohlen werden kannst. Das A und O bei der ganzen Sache liegt aber im Verfassen von interessanten Posts. Wen interessiert schon eine Nachricht wie „Heute Hack für 1,99“, der weiter als 5km entfernt wohnt? Gut, die Metzgerei ist wohl wirklich ein saublödes Beispiel. Interessanter wäre es da schon, wenn der Metzger „Huber“ einen Online-Shop betreibt, und seine Feinkostwaren auch versendet. Dann sieht die Sache schon anders aus. Dann könnte ein Post wie z.b.: „Bis einschliesslich nächste Woche alle Dauerwurstarten in unserem Online-Shop zum halben Preis!“ durchaus im Freundeskreis für aufsehen sorgen und weitere Kontakte zu Tage bringen.

Social Media Netzwerke

Um alle Social Media Netzwerke genauer unter die Lupe zu nehmen, würde es wohl mehr als einen Beitrag in Anspruch nehmen. Daher werde ich hier nur die wichtigsten etwas näher beschreiben.

Google+

Der Neuling unter den Social Media Netzwerken. Google+ hat in den letzten 2 Wochen einiges an Rummel verursacht, der neue Social Media Dienst steht in direkter Konkurrenz mit Facebook, und scheint dem ersten Anschein nach auch gleich aufgebaut. Beim zweiten Blick bietet Google+ aber einiges an Vorteilen gegenüber dem Social Media Giganten Facebook. Näheres dazu im Beitrag „Google+ oder Facebook„.

Google+ hat in den ersten beiden Wochen über 10 Mio. Nutzer erreicht, Anfang nächster Woche wird wohl die 20 Mio. Grenze überschritten werden. Obwohl der Dienst offiziell noch garnicht freigegeben ist, und nur Nutzer per Einladung (Invite) aufgenommen werden können, findet Google+ eine durchweg positive Resonanz. Für mich zeichnet sich Google+ allerdings nicht als reiner Facebook-Clon ab, sondern vielmehr als Anlaufstelle für eingefleischte Internetuser mit gemeinsamen Interessengebieten. In wie weit sich der Dienst auch im privaten Freundesbereich durchsetzt, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Für mich ist Google+ derzeit der Social Media Favorit.

Facebook

Der wohl zur Zeit grösste Social Media Dienst mit über 500 Mio. Nutzern. Mittlerweile ist Facebook für mich aber nichts anderes mehr, als eine Plattform für irgendwelche dubiosen Spieleanbieter oder unsinnige „Flashmob“-Aktionen. Ich sag nur Geburtstagseinladung. Übervölkert von Kids, die Ihren Unsinn von sich geben, aber alles andere als eine Plattform für Geschäftskontakte. Wenn ich mir die Timeline meines Facebook-Accounts so ansehe, lese ich meist nur blödsinniges Zeug von „Glücksnüssen“, „Spieleeinladungen“ oder „War gerade mit dem Hund Gassi“  Langeweile-Posts. Und zwischendrin vielleicht mal ein interessanter Threat eines Kollegen oder Geschäftspartners, der aber meist irgendwie zwischen dem ganzen Müll untergeht. Und das gerade mal bei knapp 160 Freunden, wie siehts dann bei 5000 aus?

Was die Handhabung angeht, hat mir Facebook noch nie gefallen. Viele Einstellungsmöglichkeiten sind dermassen versteckt, das selbst ich, der ständig mit dem Internet zu tun hat, manchmal suchen muss. Und das man Freunde nicht in Gruppen fassen kann, wie z.b. bei Google+ in Circles, ist das allerletzte. So muss ich mir ständig alle Posts durchlesen, ob interessant oder nicht. Denn mich interessiert nicht unbedingt die Tatsache, das einer meiner Freunde heute Nacht vom schwarzen Mann geträumt hat.

Twitter

Der Kurzmitteilungsdienst beschränkt sich auf 140 Zeichen, ist aber durchaus ein hervorragendes Social Media Werkzeug. Man erreicht durchaus auch Leute die einem nicht folgen, und für die eine getwitterte Nachricht interessant erscheinen kann. Hier bietet die Software TweetDeck eine gute Möglichkeit, sich interessante Tweets auflisten zu lassen. Ist man beispielsweise am Thema „WordPress“ interessiert, legt man sich einfach ein Suchfenster zum Thema an, und bekommt alle Tweets, in denen der Suchbegriff vorkommt, aufgelistet. Bei beliebten Themen kann sich die Timeline allerdings im Sekundentakt ändern und man verliert den Überblick.

Für mich ist Twitter nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht aktuell zu bleiben und zu gewissen Themen immer auf dem neusten Stand informiert zu werden.

YouTube und Vimeo

YouTube oder auch Vimeo nehmen im Social Media Bereich wohl eher eine Sonderstellung ein. Beides sind reine Videoportale, wer also keine Clips einzustellen hat, kann damit nur wenig anfangen. Nichts desto Trotz, mit dem richtigen Clip kann man es durchaus zur kleinen Berühmtheit schaffen. Dies betrifft aber meist Privatvideos kleinerer oder grösserer Talente, nur wenige schaffen es daraus auch wirklich Profit zu schlagen. Für Unternehmen siehts da eher Mau aus. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. So hat der bereits oben erwähnte Werbeclip von VW es innerhalb weniger Tage auf über 30 Mio. Klicks geschafft. Auch die jährlichen Superbowl-Spots lösen immer wieder eine wahre Klickorgie aus. Die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt kann durchaus zum Erfolg führen. Letztendlich dürfte es bei vielen kleinen Unternehmen allerdings am Budget scheitern. Denn wirklich gute Werbeagenturen und professionelle Werbeclips sind nun mal nicht zum Dumpingpreis erhältlich.

Bringt Social Media wirklich Neukunden und Traffic?

Hier kann ich leider nur aus persönlicher Erfahrung sprechen. Neukunden sind Fehlanzeige, warum auch, bestehen meine Kontakte doch durchweg aus artverwandten Branchen wie 3D-Visualisierung, Webdesign, SEO oder dem künstlerischen Bereich. Die Ausnahme bildet hier Facebook, den dort habe ich wohl mehr Freunde, Bekannte oder Familienangehörige, die meine Posts lesen können. Jedenfalls kam bis heute noch kein Auftrag zustande, der von irgendeinem Social Media Dienst ausging.

Und was ist nun mit dem Traffic auf die eigene Internetseite?
Auch das hält sich in Grenzen. Nachfolgend habe ich einmal den Besucherstrom auf 3D-Mediadesign hinsichtlich externer Social Media Netzwerke ausgewertet. Da es Google+ erst seit kurzem gibt, beschränkt sich die Auswertung auf den Zeitraum vom 01.07. – 13.07.2011, also knapp die letzten 14 Tage. Wie man in der Grafik sehen kann, machen die sozialen Netzwerke nur einen Bruchteil der Seitenaufrufe aus, wenn man bedenkt, das im besagten Zeitraum insgesamt ca. 4000 Internetnutzer meine Seite besucht haben.

Einstieg über Social Media DiensteFür mich überraschend war der hohe Verkehr, der über Google+ zustande kam.Vielleicht liegt dies aber auch nur an dem momentanen Hype, den plus.google.com derzeit erzeugt.

Mit 134 Einstiegen schlägt Google+ selbst Facebook und Twitter zusammengefasst, die mit einer Gesamtzahl von 119 zu Buche schlagen. Ob dies nun ein weiteres Segment für den künftigen Erfolg des Social Media Dienstes darstellt? Nun, ich denke hier sollte man vorsichtig sein. Es ist wie mit allem das erst einmal grosse Wellen schlägt. Die Zukunft wird es bringen. Lassen wir uns einfach überraschen. Für mich steht jedenfalls eines fest: Meine künftige Zeit und Energie in Sachen Social Media werde ich grösstenteils in Google+ investieren.

Auch wenn Twitter mir so gut wie keine Besucherzahlen beschert, bleibt es trotzdem mein Favorit, wenn es um Themenübergreifende Informationsbeschaffung geht.

Bei Facebook allerdings, bin ich echt am überlegen, den ganzen Schiss einzustampfen. Jedenfalls werde ich nicht mehr viel Zeit in Facebook verbringen. Man muss auch dran denken, mit was man sein Geld verdient. Konzentriert man sich nur noch auf den Ausbau und die Pflege von Social Media Netzwerken, bleibt die eigentliche Arbeit auf der Strecke. Und Hartz IV Empfänger haben wir ja nun wirklich genug.

Mein Fazit:

Ich bin nunmal nicht der absolute Social Media Experte, und will es auch nicht sein, meine Stärken liegen woanders. Ein Profil in den jeweiligen Netzwerken anzulegen kostet nicht viel Zeit, und ich kann es auch nur jedem erstmal empfehlen eines anzulegen. Wer aber als kleines Unternehmen darauf baut, seine Umsatzzahlen durch Social Media Netzwerke zu steigern, oder daran denkt, das Social Media dem eigenen Webauftritt Flügel verleit, der sollte nicht zu viel erwarten.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Social Media Experten ins Boot zu holen, sollte genau hinsehen, mit wem er sich da einlässt. Gerade in letzter Zeit schiessen solche selbsternannten Experten wie Pilze aus dem Boden, und wollen alle ein Stück vom grossen Kuchen abhaben. Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Suchmaschinenoptimierung, nicht jeder der sich als Spezialist betitelt, ist auch einer.

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Frank Viehmann

Geschäftsinhaber bei 3D Mediadesign
Ursprünglich Projektleiter in der 3D-Produktentwicklung, seit 2006 spezialisiert auf 3D Visualisierungen mit Cinema 4D und Webdesign auf Basis von WordPress. Begeisterter Schäferhundefan und Hundesportler mit unserer Freya. Folge mir auch auf Google+, Twitter oder Facebook.

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